Misscuts und Fehldrucke bei Pokémon-Karten: was sie sind und wie Sammler sie bewerten
Inhalt (8 Abschnitte)
Ratgeber von Forya Collector · aktualisiert am 07.10.2026 · ca. 5 Min. Lesezeit
Pokémon-Karten werden auf großen Bögen gedruckt und anschließend geschnitten. Dabei läuft nicht immer alles perfekt: Mal sitzt der Schnitt daneben, mal fehlt eine Farbe oder ein Symbol. Solche Karten nennen Sammler Misscuts (im Englischen meist „Miscut“ geschrieben) oder Fehldrucke (Error Cards). Für viele sind sie spannende Einzelstücke. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, worauf es bei der Bewertung ankommt und wie du Manipulationen erkennst.
Off-Center, Misscut, Fehldruck – die Unterschiede
| Off-Center | Die Karte ist korrekt geschnitten, aber die Ränder sind ungleich breit – links breiter als rechts oder oben breiter als unten. Das ist häufig und mindert eher den Zustand – deutlich verschobene Karten werden im Handel aber oft ebenfalls als Misscut angeboten. |
|---|---|
| Misscut | Der Schnitt ist so stark verrutscht, dass Teile der Karte fehlen oder ein Stück der Nachbarkarte vom Druckbogen zu sehen ist. Je mehr von der Nachbarkarte sichtbar ist, desto auffälliger. |
| Fehldruck (Error) | Ein Fehler im Druck oder im Inhalt: falscher oder fehlender Text, falsches Symbol, fehlende Farbschicht, fehlende oder verschobene Holofolie. |
| Crimp | Eine gequetschte Stelle, meist am oberen oder unteren Rand. Sie entsteht beim Verschweißen des Boosters, wenn die Karte in die Siegelnaht gerät – also bei der Herstellung, nicht durch den Besitzer. |
Die Grading-Firma CGC unterteilt Misscuts sogar in Stufen – von leicht (z. B. ein Ausrichtungspunkt vom Druckbogen ist sichtbar) bis stark (Teile von mindestens zwei anderen Karten sind zu sehen). PSA kennzeichnet stark verschnittene Karten mit dem Zusatz „MC“ (Miscut) auf dem Etikett; bei bloß schlecht zentrierten Karten kann der Zusatz „OC“ (Off-Center) vergeben werden.
Bekannte Fehldrucke als Beispiele
Einige Fehler sind unter Sammlern so bekannt, dass sie als eigene Varianten geführt werden – vor allem bei englischen Karten:
- Vulnona (Ninetales) „No Damage“, englisches Grundset: Bei sehr frühen Shadowless-Exemplaren fehlt der Schadenswert „80“ beim Angriff Feuersturm (Fire Blast).
- Schillok (Wartortle), englisches Grundset: Im Entwicklungsfeld ist Schillok statt Schiggy abgebildet; der Fehler wurde später korrigiert.
- Blaine's Charizard aus Gym Challenge (nur auf Englisch erschienen): Im Angriffstext steht ein Kampf- statt eines Feuer-Energiesymbols. Kurios: Die Fehlerversion ist hier die häufige, die korrigierte Fassung die seltene.
- Jungle „No Set Symbol“: Bei einer frühen englischen Unlimited-Auflage der Dschungel-Holos fehlt das Set-Symbol.
Nicht jede Abweichung ist ein Fehler: Dass es die Dschungel-Holos auch als normale Karten ohne Glanz gibt, ist so gewollt – das sind reguläre Non-Holo-Versionen mit eigener Nummer. Und das Pikachu mit roten Backen aus dem englischen Grundset gilt eher als Variante: Rote Backen gibt es nur bei 1. Edition und Shadowless, in der Unlimited-Auflage hat Pikachu gelbe Backen. Bei deutschen Karten sind Fehldrucke deutlich schlechter dokumentiert; vereinzelt sind Übersetzungs- und Textfehler bekannt. Gerüchten über „deutsche Fehldrucke“ solltest du ohne Beleg mit Vorsicht begegnen.
Wie Sammler Misscuts und Fehldrucke bewerten
- Stärke und Sichtbarkeit: Ein kaum sichtbarer Versatz ist meist nur ein Zentrierungsmangel. Ein deutlicher Misscut mit sichtbarer Nachbarkarte fällt sofort auf und ist für Sammler interessanter.
- Das Pokémon und die Karte: Ein Misscut bei einem beliebten Pokémon oder einer Holo ist gefragter als bei einer einfachen häufigen Karte.
- Zustand: Auch ein Fehldruck sollte ansonsten gut erhalten sein – siehe Zustand von Pokémon-Karten.
- Bekanntheit und Anerkennung: Fehler, die von Grading-Firmen als eigene Variante geführt werden, sind leichter vergleichbar. PSA und CGC führen eigene Listen bzw. Sammlungs-Kategorien für bekannte Fehler.
- Vergleichbare Verkäufe: Weil jede Karte anders ist, gibt es selten einen festen Marktpreis. Hilfreich sind Verkäufe ähnlicher Fehlerkarten.
Vorsicht: Manipulationen und Fälschungen
Wo Besonderheiten gefragt sind, wird auch getrickst:
- Nachgeschnittene Karten: Manche Karten werden nachträglich beschnitten („getrimmt“), um Ränder gleichmäßiger oder Ecken schärfer wirken zu lassen. PSA gradet solche Karten nicht und vermerkt einen Hinweis auf Beschnitt; CGC vergibt bei veränderten Karten statt einer Note den Vermerk „Authentic Altered“.
- Künstliche Misscuts aus Druckbögen: Aus ungeschnittenen Bögen lassen sich Karten so herausschneiden, dass sie wie ein Misscut aussehen. CGC weist darauf hin, dass echte Misscuts selten gleichzeitig waagerecht und senkrecht verrutscht sind und dass nachträglich geschnittene Karten oft einen anderen, engeren Eckenradius haben als echte Karten. Solche außerhalb der Druckerei geschnittenen Karten zertifiziert CGC nicht.
- Schaden statt Druckfehler: Eine ausgeblichene Karte (z. B. durch Sonnenlicht) ist kein Fehldruck mit fehlender Farbe. Unter der Lupe sieht man den Unterschied: Bei einem echten Druckfehler fehlen die Farbpunkte einer Farbe ganz, bei ausgeblichenen Karten sind sie nur blass. Auch unter UV-Licht verhalten sich die beiden unterschiedlich.
Mehr Prüftipps findest du im Ratgeber Fälschungen erkennen.
Graden lassen?
Bei auffälligen, gesuchten Fehlerkarten kann eine Bewertung durch eine Grading-Firma sinnvoll sein: Sie bestätigt die Echtheit und dokumentiert den Fehler auf dem Etikett. Bei leicht verschobenen oder alltäglichen Karten lohnt sich das meist nicht. Mehr dazu: Grading erklärt.
Misscuts und Fehldrucke bei uns
Unsere Misscuts, Fehldrucke und Stempelkarten zeigen wir gesammelt auf der Seite Besonderheiten. Jede Karte ist einzeln von Vorder- und Rückseite fotografiert – du siehst also genau, wie stark der Schnitt verrutscht ist, bevor du kaufst.
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